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© Land Steiermark/Binder
09.05.2023

Das große gemeinsame Anliegen: Starke Zentren


Das Land Steiermark begleitet Kommunen aktiv beim Thema der Stärkung von Stadt- und Ortskernen. In Frohnleiten gab es nun den öffentlichen Startschuss für die Ortskernkoordination.

Im Jahr 2022 wurde vom Regionalressort des Landes Steiermark in der Abteilung 17 eine eigene Koordinationsstelle zur Begleitung von Städten und Gemeinden bei der Stadt- und Ortskernentwicklung eingerichtet. Mehrere steirische Gemeinden werden bereits begleitet, die vielfältigen Erfahrungen und Kompetenzen stehen nun auch allen interessierten Gemeinden offen. Bei der Kick-Off-Veranstaltung „Starke Zentren“ gestern Nachmittag (08.05.2023) in Frohnleiten wurde vorgestellt, wie die Gemeinden unterstützt werden und das Thema Ortskernentwicklung mit Experten aus der Wissenschaft und einem internationalen Gast im größeren Kontext diskutiert. Mehr als 200 Verantwortliche aus den Gemeinden, darunter viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus allen Teilen der Steiermark, sowie Beteiligte aus Verwaltung, Politik, Regionalmanagement und Planerinnen und Planer nahmen an der Veranstaltung teil. Eingeladen hatten die beiden für die Regionalentwicklung zuständigen Landesrätinnen Barbara Eibinger-Miedl und Ursula Lackner sowie Gemeindebund-Präsident Erwin Dirnberger und Städtebund-Vorsitzender Kurt Wallner, die alle ein gemeinsames Anliegen eint: Die Stärkung der steirischen Ortszentren.

„Ich freue mich, dass so viele dieses Thema zu ihrem Herzensanliegen gemacht haben“, betonte Eibinger-Miedl mit Blick auf den vollen Saal des Volkshauses Frohnleiten. „Bereits in den vergangenen Monaten haben sich 80 Gemeinden beim Land gemeldet, mit 30 Gemeinden gibt es schon konkrete Projekte. Wir sind für die Herausforderung der Stärkung der Ortskerne nun so gut aufgestellt, dass ich überzeugt bin, dass wir gemeinsam die Trendumkehr schaffen können“, zeigt sich die Landesrätin optimistisch. Landesrätin Lackner unterstrich den Schulterschluss bei der großen Herausforderung der Ortskerne: „Das Zentrum ist dort, wo sich das gesellschaftliche Leben abspielt. Die Gestaltung dieser Orte hängt eng mit den Themenbereichen Klima- und Umweltschutz zusammen. Ein lebendiges Zentrum schafft kurze Wege, wirkt der Bodenversiegelung entgegen und bietet zusätzlich das Potential, die Kraft der Sonne auch in Zentren für die Energieversorgung zu nutzen. Deshalb ist die einzige Form von Kernenergie, für die ich mich einsetze, die, die in unseren Ortskernen entsteht“, so Lackner.

Die angesprochene Trendumkehr hat – nach einer vorherigen Phase des Niedergangs – in den vergangenen Jahren die Schweizer Kleinstadt Lichtensteig im Kanton St. Gallen geschafft, kürzlich wurden die Erfolge mit dem renommierten Wakkerpreis gewürdigt. Lichtensteigs Stadtpräsident Mathias Müller war in Frohnleiten zu Gast und gab in seinem Vortrag Einblicke in die innovative Entwicklung seiner Kleinstadt. In der anschließenden Podiumsdiskussion analysierten Dirnberger, Wallner und Müller gemeinsam mit Aglaée Degros (Architektin und Stadtplanerin, TU Graz), Gustav Spener (Präsident der Ziviltechnik-Kammer) und Abteilungsleiter Harald Grießer die Trends, Problemlagen und Potenziale in der Regional- und Ortskernentwicklung. Als steirische Best-Practice-Beispiele der vergangenen Jahre wurden die Entwicklungsprozesse von zwei Städten mit völlig unterschiedlichen Herausforderungen präsentiert: Bürgermeister Mario Abl skizzierte den aktiv beschrittenen Weg des obersteirischen Trofaiach von einer Wohngemeinde hin zur „Lebensmittelpunktgemeinde“. Das südsteirische Bad Radkersburg hat zwar seinen Status als Zentrum eines eigenen Bezirks eingebüßt, ist aber nach der jahrzehntelangen Randlage zum Ostblock mittlerweile „ein grenzüberschreitendes Zentrum mitten im Zentrum von Europa mit vier EU-Ländern in einem Umkreis von 35 Kilometern“, wie Bürgermeister Karl Lautner stolz betont.

Harald Grießer, Leiter der Abteilung 17 Landes- und Regionalentwicklung erklärt: „Mit der Initiative Starke Zentren in der Steiermark wurde ein in Österreich einzigartiger, umfassender Prozess zur Stärkung der Stadt- und Ortskerne gestartet. Nur durch eine im Rahmen der Initiative gelebte intensive, ressortübergreifende Abstimmung können für die steirischen Städte und Gemeinden abgestimmte Gesamtpakete geschnürt und die bei der Stadt- und Ortskernstärkung notwendigen langfristigen Strategien und Umsetzungen vor Ort unterstützt werden.“

Ortskernkoordinator Stefan Spindler, der den steirischen Weg bei der Begleitung der Gemeinden durch das Land vorstellte, unterstreicht: „Beim Thema der Stärkung der Ortskerne ist es entscheidend, dass eine Entwicklungsstrategie entsteht. Es muss nicht alles sofort passieren, die Kommunen definieren ihre kurz-, mittel- und langfristigen Ziele. Besonders von Bedeutung ist es, bestehende Gebäude wieder einer nachhaltigen Nutzung zuzuführen, den öffentlichen Raum klimafit zu gestalten und dadurch einen qualitätsvollen Lebensraum für alle Generationen zu erhalten. Orts- und Stadtkerne sollen als attraktive und multifunktionale Lebensmittelpunkte dienen und die Lebensqualität vor Ort maßgeblich stärken. Dafür ist eine Vielzahl an sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekten von Bedeutung.“

In dem langfristigen Entwicklungskonzept für starke Zentren ist eine Vielzahl an Aspekten zu berücksichtigen. Unter anderem fließen folgende Faktoren in die Erstellung des Konzepts für die Gemeinden ein:

  • Vielfältiger Wohnraum für alle Generationen, Angebote für Jugend etablieren
  • Vereinsleben im Zentrum verankern, Zentrum altersgerecht und barrierefrei gestalten
  • Temporäre Nutzungen ermöglichen, Gastgärten gestatten
  • Wasser erlebbar gestalten, Bodenversiegelung reduzieren
  • Dächer, Fassaden und Innenhöfe begrünen, hitzeresistente und schattenspendende Bepflanzung ansetzen
  • Parkplätze in zweiter Reihe anlegen und begrünen
  • Passagen und Innenhöfe als halböffentliche Durchgänge sichern
  • Micro-ÖV anbieten, öffentlichen Verkehr als zentrales Rückgrat der sanften Mobilität nutzen, Mobilitätsknotenpunkte errichten
  • Zentrumsrelevante kommunale Funktionen konzentrieren
  • Bestehende Flächen recyceln, Bestand aufstocken und Dachgeschosse ausbauen. Baulücken schließen
  • Bestand revitalisieren und sanieren, historische Bausubstanz revitalisieren, Fernwärme anschließen
  • Denkmäler und Kulturgüter pflegen und erhalten
  • Museums- und Sammlungsangebot schaffen und erhalten
  • Unternehmen zur Deckung des alltäglichen Bedarfs ansiedeln
  • Betriebe beraten, unterstützen und miteinander vernetzen

 

Fotos: © Land Steiermark/Binder

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